top of page

Was passiert, wenn Träume Realität werden

  • 8. Juli 2019
  • 3 Min. Lesezeit

Dieser Artikel sollte eigentlich ein Bericht meiner ersten Zeit hier in Südafrika werden. Jeglicher Versuch, meine letzten Wochen zusammenzufassen, ist allerdings bislang kläglich gescheitert. Es ist so viel passiert, dass mein Kopf nur noch "ERROR" schreit, wenn ich versuche meine Erlebnisse zu rekonstruieren. Was folgt, ist eine schwammige Zusammenfassung verschiedener Phasen, die ich bislang durchlaufen habe.



T A G 1

Ich sitze im Auto, auf dem Weg von Johannesburg nach Dundee, gemeinsam mit Miguel und mit vielen Gedanken. Gestern Abend haben wir meine Eltern nach einem gemeinsamen, zweiwöchigen Urlaub am Flughafen verabschiedet. Heute ist also offiziell Tag eins meines Abenteuers. Für mich ist es inzwischen das vierte Mal, hier am anderen Ende der Welt. Das vierte Mal und doch fühle ich mich ein bisschen verloren. Der Traum, auf den ich so lange hingearbeitet habe, der noch vor kurzem in unendlicher Ferner zu sein schien, steht jetzt direkt vor mir und winkt mir zu "Hey Sarah, ich bins, dein Traum! Schön dich endlich persönlich zu treffen, ich weiß es hat lange gedauert, aber hier bin ich! Moment mal, warum weinst du denn? Sag mal, weißt du denn nicht mehr wie sehr du dich auf mich gefreut hast?". Zwei Wochen sind seit meiner Abreise vergangen, zwei Wochen, die ich gemeinsam mit meinen Eltern und Miguel in dem Land verbracht habe, das für die nächste Zeit erst mal eine Art "zu Hause" für mich sein wird. Unvergessliche Momenten liegen hinter uns, über die ich unendlich dankbar bin. Aber heute ist der Urlaub nun mal vorbei, heute wird aus Traum Realität. Heute ist Tag 1 im Kapitel "Mein Leben in Südafrika", Tag 1 ohne meine Eltern; das erste Mal in meinem Leben bin ich für längere Zeit weg - am anderen Ende der Welt, um genau zu sein. Und heute, ja was soll ich sagen, heute ist kein guter Tag.



P H A S E 1: ÜBERFORDERUNG

Der erste Schock ist verwunden, die ersten Trennungstränen sind vergossen, meine Gefühle überschlagen sich dennoch. Die ersten Tage fühlen sich an wie ein freier Fall. Alles rauscht irgendwie an mir vorbei, nichts erscheint real, die Ereignisse überschlagen sich. Wo soll ich anfangen? Wie soll ich meinen Alltag gestalten? Bin ich jetzt echt hier? Passiert das gerade wirklich? Bin ich tatsächlich so weit weg von zu Hause? Die Tage verfliegen irgendwie und meine Gefühlswelt ist komplett überfordert. Mal bin ich glücklich, die meiste Zeit aber unterschwellig melancholisch. Ich fühle mich wieder wie damals mit 14 - gnadenlos überfordert mit der Gegenwart. Meine Gedanken schweifen immer wieder ab; hängen in der Vergangenheit, versuchen die Zukunft zu erraten und kommen doch nie zu einem Ergebnis. Hört das irgendwann auf? Komme ich irgendwann wirklich an? Ich bin doch hier um mich frei zu fühlen, stattdessen fühle ich mich im Moment eher verloren.




P H A S E 2: WANDEL

In meinem Leben lief bislang immer alles nach Plan. Wenn man sich meinen Lebenslauf anschaut findet man nicht eine einzige Lücke. Nach der Schule nahtlos zur Hochschule, nach dem Bachelor-Abschluss direkt in den ersten Job, vom ersten Job übergangslos in den zweiten Job - und dann in den freien Fall. Kein Wunder also, dass ich eine gewisse Zeit brauche, um mich an diesen Traum, der jetzt Realität geworden ist, zu gewöhnen. Die Tage werden langsam schöner, es gibt weniger dunkle Momente und ich fange an, mein Abenteuer zu genießen. Zu Hause ist nur ein paar Flugstunden entfernt, sage ich mir immer wieder. Es scheint berg auf zu gehen.




PHASE 3: A N K O M M E N

Dass ich mit meinen To Do Listen hier nicht wirklich weit komme, habe ich nun mitbekommen. Meine deutsche Genauigkeit und meinen scheinbar unüberwindbaren Drang, einem genauen Plan zu folgen, habe ich nicht über Bord geworfen, aber zumindest sorgfältig zusammengefaltet und fürs erste zur Seite gelegt - und wer hätte es gedacht, es fühlt sich sogar richtig gut an. In der Zwischenzeit sind so viele unerwartete Dinge passiert, die es mir des öfteren unmöglich gemacht haben, einfach stur meine To Do Liste abzuarbeiten. Es passieren zuweilen ziemlich krasse Dinge, hier am anderen Ende der Welt. Ein Wildfeuer, um nur ein Beispiel zu nennen, dass uns einige Stunden auf Trab gehalten und uns fast all unser Hab und Gut gekostet hätte. Hier heißt es manchmal Ärmel hochkrempeln und kämpfen, mit aller Kraft.


Was ich spätestens jetzt gelernt habe ist, dass es zwar zunächst hart ist, wenn Traumblasen zerplatzen, wenn die rosarote Brille langsam verschwindet; dass die Realität danach aber - auf eine andere Art und Weise - mindestens genau so schön sein kann.




1 Kommentar


Saskia Mischnick
Saskia Mischnick
08. Juli 2019

Ich bin so stolz auf dich :) es kommt auch sicher noch ganz viel tolles, neues, herausforderndes, aufregendes auf dich zu!

Gefällt mir
Contact
  • Black Facebook Icon
  • Black Twitter Icon
  • Black Instagram Icon
  • Black YouTube Icon

Thanks for submitting!

© 2023 by sarah.anywhere. Proudly created with Wix.com

bottom of page